Thursday, 20 August 2015

#RPGaDAY2015 - Liebstes Horror-RPG

Tag 20 von #RPGaDAY2015. Wer nicht weiß, was der Hashtag bedeutet, der liest einfach in meinem Eingangsthread nach. Die Frage heute lautet:

Wie heißt dein beliebtestes Horror-Rollenspiel?

 

Mich gruselt es am meisten, daß alle Fragen nach Lieblingsrollenspielen hintereinander kommen - hätte man über den Monat besser verteilen können. Aber gut, gucken wir mal nach meiner Leiche im Keller...

Eigentlich habe ich kein Lieblings-Horror-Spiel. Ich bespiele Horror als alleinstehendes Genre nicht sonderlich oft, eher kommt Horror im Mix mit anderen Genres vor (etwa Fantasy oder Endzeit). Habe nie sonderlich viele Horror-RPG besessen, gerade im Vergleich mit Fantasy oder Sci-Fi. Aber da ich eine zeitlang recht begeistert Call of Cthulhu gespielt und geleitet habe, wäre früher meine Wahl wohl darauf gefallen. Insbesondere da das Quellenbuch DELTA GREEN von Pagan Publishing zum Besten zählt, was ich bislang in Sachen "Modern Horror" gelesen habe. Es verbindet sehr gelungen den Mythos mit historischen Ereignissen jüngerer Zeitgeschichte sowie gängigen Verschwörungstheorien, etwa dem Roswell-Zwischenfall. Seitdem spiele ich auch Cthulhu wieder gern in der Gegenwart (wo sonst die klassische Ära meine bevorzugte Spielwiese war).

Als Kandidat käme neben Cthulhu noch All Flesh Must Be Eaten in Frage. Das Zombie-Survival-Rollenspiel nutzt das Unisystem (das mir gefällt) und ist gut zu lesen. Der Zombie-Generator, mit dem man genau festlegen kann, welche Kräfte und Schwächen die schlurfenden Untoten haben sollen, ist hier das i-Tüpfelchen. Dazu einige kurz vorgestellte und äußerst spannende Hintergrund-Szenarios quer durch verschiedene Epochen (Nazi-Zombies, Mittelalter-Zombies oder Alien-Zombies) und man kann durchaus auch längere Kampagnen damit bestreiten. Habe ich immer gern gespielt und auch geleitet.

Große Sympathien hege ich auch für KULT, ein schwedisches Horror-RPG, das seinerzeit von Truant auf Deutsch verlegt wurde. Habe ich mal kurz geleitet, aber hauptsächlich als Spieler erlebt. Hier haute mich zwar die Spielmechanik nie aus den Socken, aber der Hintergrund ist zusammen mit Delta Green das Beste, was ich bislang zu Horror als alleinstehendem Genre gelesen habe. Allerdings kann ich die Abenteuer dazu überhaupt nicht empfehlen. KULT wurde als "Splatterpunk" vermarktet, bietet aber so eine abgrundtief finstere Kosmologie, das es einem wie das Werfen der Perlen vor die sprichwörtlichen Säue erschien. Oder als ob man eine unglaublich vielschichtige Partitur von einem Premium-Orchester einspielen läßt und dann als Hintergrundmusik für einen Beach-Bimbo-Bikini-Slasher verheizt.

Schließlich ist da noch Bloodshadows von West End Games, ein Setting für das Masterbook-System (später auch für ihr d6-System erschienen). Es war die Verbindung von Fantasy, Horror und Film Noir - in einem sehr originellen Setting. Was in den 40er und 50er Jahren bei uns die Elektrizität war, übernimmt in Bloodshadows die Magie: Lampen werden mit Lichtzaubern gespeist, Kühlschränke mit Kältemagie, und wenn man seine Rechnung nicht bezahlt, werden die Zauber nicht erneuert. Dazu noch dunkle Kulte, obskure Götter, Zombies als gewerkschaftslose Sklavenarbeiter in lichtlosen Fabriken, fragwürdige Nachtclubs und zwielichtige Privatdetektive, die in Städten mit hohen Mauern leben, die von einer blutrünstigen und lebensgefährlichen Wildnis voneinander getrennt sind - und man hat ein Rezept für jede Menge ziemlich abgefahrene Szenarios.

Zuletzt noch ein paar Quellenbücher oder Settings, die zum Thema Horror passen und mir auf die eine oder andere Weise gut gefallen: Achtung! Cthulhu von Modiphius Entertainment (Nazis, Okkultismus und der Mythos für Savage Worlds und Call of Cthulhu), The End (biblischer Apokalypse-Horror mit einem unglaublich finsteren Unterton), Dark°Matter (eher ein Mystery-Verschwörungs-Setting für Alternity, aber mit guten Horror-Elementen) und Summerland (ebenfalls unter Endzeit einzuordnen, jedoch mit sehr ungewöhnlichem Hintergrund und meist psychologischer Horror-Note, aber handwedeliger Spielmechanik).

Also, kurz und gut: es gibt keinen wirklichen Favoriten - aber eine Menge guter Vertreter.

Falls jemand noch mehr zur Aktion #RPGaDAY2015 lesen möchte, findet er u.a. auch in diesen Blogs Artikel dazu: Greifenklaue's Blog, De Malspöler, Mondbuchstaben, Jaegers.Net, Le joueur de Prusse en exil. Oder er guckt bei rsp-blogs vorbei, da wird er sicher auf noch mehr Blogs aufmerksam.

5 comments:

  1. Schöne Auswahl, ich hab auch eine längere Liste - dafür mit Sieger. KULT z.B. ist bei mir rausgeflogen, weil ich es immer häufiger - aus Spielersicht - sehr mysterymässig empfand, was ja auch ein cooles Spielerlebnis ist, aber eigentlich nie so richtig tief in den Hintergrund vorgedrungen. Aus ähnlichem Grund ist Vampire gar nicht erst auf die Liste gekommen und wäre eher ein Kandidat für den Vortag sein ...

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    1. Hm, dann hast Du KULT nur "gestreift". Es ist Horror, wobei man natürlich auch zunächst sehr dezent mit seinen Spielern umgehen kann. Filme wie die "Hellraiser"-Reihe kommen der Kosmologie bzw. dem Hintergrund von KULT relativ nah.

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  2. Ich hatte nur eine tiefergehende Runde, die mir das Potential von Kult offenbart hat,oft war es sehr dezent - ich nehm an, da hatten wir auch den selben SL. Nur, dass Du da länger gespielt hast ...

    Dabei waren auch lange SL-Spieler-Einzelgespräche, ich geb zu, darauf würde ich heute gar nicht mehr stehen.

    Tatsächlich seh ich mehr Reiz in Horror bei OeShots, das Schiffsabenteuer vom Kultisten fand ich z.B. gut, dass hatten wir imho bei Dir gespielt. Weiß gar nicht mehr, was das Regelwerk war, könnte Kult (ohne das Setting von Kult?) gewesen sein.

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    1. Falls wir von McArden sprechen, ja, bei dem habe ich mal KULT gespielt. Der ging da sehr dezent vor. Aber lange war ich auch nicht dabei. Er ist übrigens wieder aktiv - am Montag haben wir bei ihm eine neue Travellerrunde gestartet: bislang sehr vielversprechend.

      Bezüglich des "Schiffsabenteuers": daran erinnere ich mich gerade überhaupt nicht...

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