Friday, 21 August 2015

#RPGaDAY2015 - Lieblings-Rollenspielwelt

Tag 21 von #RPGaDAY2015. Wer nicht weiß, was der Hashtag bedeutet, der liest einfach in meinem Eingangsthread nach. Die Frage heute lautet:

Wie heißt dein beliebtestes Rollenspiel-Setting?



Hier verhält es sich bei meiner Wahl analog zum Lieblings-Fantasyrollenspiel: World of Greyhawk und Mystara / Die Bekannte Welt sammele und lese ich nun schon so lange, daß meine Wahl auf sie fallen muss. Es waren meine ersten Welten, in ihnen habe ich meine ersten Schritte als Spielleiter zurückgelegt. Und sie sind mir einfach sehr, sehr ans Herz gewachsen.

Vor einem Jahr habe ich nochmal ein Revival von Mystara mit einem gehausregelten Mentzer-D&D und dem Abenteuer "Hügel des Grauens" gestartet. So richtig schön als kleine Sandbox und natürlich komplett ergebnisoffen. Die Charaktere haben es relativ weit geschafft und damit bewiesen, daß ungeschummeltes Spielen und Würfeln nicht zu dauerndem Charaktertod führt und dazu recht spannend sein kann. Außerdem hat es Spaß gemacht, nochmal in den frühesten Erinnerungen meiner damaligen SL-Zeit zu schwelgen, denn es war in den frühen 80ern eines der ersten Abenteuer, die ich nach der "roten Box" geleitet habe.
Sogar noch vor dem letztjährigen Revival habe ich 2008 Mystara zum erstenmal aus der Taufe gehoben. Wir spielten B1-9: In Search of Adventure, eine Zusammenstellung von Basis-Modulen, die lose als Kampagne verbunden waren. Die Runde währte immerhin (mit Pausen) gut 3 Jahre.

Muss also was dran sein an diesem Setting, zumindest für mich. Ich denke, es ist diese typisch bunte, mit breiten Pinselstrichen gemalte Fantasylandschaft, die soviel kulturgeschichtliche Entlehnungen und Völker unserer Erde in einen riesigen Kessel schmeißt und in einer gut gewürzten Suppe aus Zauberei, Anachronismus, Phantastik und ordentlich Klebstoff am Köcheln hält. Nostalgie mag ein Faktor sein, aber auch heute stöbere und lese ich immer wieder gern in den Abenteuern und vor allem in meiner Gazetteers-Sammlung der einzelnen Nationen und Länder. Sie sind voll mit tollen Illustrationen (allein die Cover von Clyde Caldwell!), Ideen und Inspirationen - viele davon sicher auch Zündfunken späterer TSR-Produkte - und kondensieren auf ihren 96 Seiten so viel spielbares Material, daß es heute noch eine Pflichtlektüre für die meisten Settingschreiber sein sollte. Dazu noch die separaten Settings Hollow World und Red Steel, die ziemlich cool sind und Bereiche der Bekannten Welt ergänzen. Kurzum: Mystara macht einfach großen Bock.
In den 90ern hat TSR noch kurz den Versuch unternommen, diese Spielwelt als Einstiegsmaterial für AD&D 2nd Ed. zu verwenden und hat das Material teilweise zweitverwertet. Es gab neben ein paar Abenteuern und einem Monstrous-Compendium-Anhang auch zwei Setting-Boxen (Karameikos und Glantri), die mit zahlreichen Handouts und einem Hörspiel-Soundtrack ausgeliefert wurden, der jener Tage gerade als Verkaufshilfsmittel bei TSR-Produkten Einzug hielt und als "netter Versuch" abgehakt werden darf.



World of Greyhawk, Gary Gygaxs ursprüngliche Heimkampagne, besitzt für mich einen ähnlichen Spielwert wie Mystara. Als ich nach AD&D wechselte, war dies mein Ort für Abenteuer. Hier bestritt meine Spielgruppe u.a. den Temple of Elemental Evil (wo alle Charaktere in einem TPK starben, nachdem die Gruppe via Geheimtür gleich 2 Ebenen in ein Verlies hinabstieg), reiste auf die Lendor-Inseln, wo sie die Knochenhügel befriedeten und dann einen Mörder in Restenford suchten, machten einen Abstecher in die Turmruinen des verrückten Erzmagiers Zagyg Yragerne (Greyhawk Ruins) und nahm auch die dreiteilige Falken-Abenteuerreihe in Angriff, die sie in die große, namensgebende Stadt Greyhawk brachte.
Greyhawk ist ein gewachsenes Setting, was man im positiven wie negativen Sinne bemerkt. Gygaxs historische Anmerkungen sind in Teilen flüchtig und augenzwinkernd, in anderen seltsam konkret und detailliert. Nichts an der ersten Kampagnenbox war vorher durchdesignt und redaktionell ausgedengelt worden, es war ein Sammelsurium von Ideen, Namen und Tabellen. Vielleicht war es auch dieser Reiz, sich das Setting herleiten und zusammenpuzzlen zu müssen, der mich so an die Flanaess schweißte. Es verbergen sich epische Ereignisse in ihrer Geschichte, große Völkerwanderungen etwa oder die Andeutungen von Massenvernichtungswaffen in der Frühzeit. In jedem Fall war die World of Greyhawk ein Sword-&-Sorcery-Setting und das atmete sie zwischen den Zeilen auch.

Erst mit dem Großreinemachen, das seinen Höhepunkt 1992 in der Veröffentlichung der letzten Greyhawk-Box From The Ashes fand, bügelte TSR mit dem Glätteisen +3 über die Knitterfalten der Ära Gygax und spendierte dem Setting einen Weltkrieg (den man noch dazu mit dem parallel erschienenen Brettspiel Greyhawk Wars durchspielen konnte), nach dessen Ende ein klassischer, einige eroberte Länder regierender Erzgegner (Iuz) für eine deutliche Konturierung der Gut-Böse-Achse sorgte. Einigen stieß das sauer auf, aber dieser Schritt brachte auch frisches Blut in das Setting und hatte einige richtig tolle Abenteuermodule und Ergänzungsbände zu bieten. Leider war ab dieser Zeit mein Interesse an AD&D gerade auf dem absteigenden Ast, daher legte ich mir erst viel später peu-a-peu alle Module und Quellenbände zu. Es sollte sich aber gelohnt haben, denn bis heute verspüre ich große Lust, mich wieder mit dem Setting zu beschäftigen. Vielleicht ja mit D&D 5.

Wer mehr über diese Settings erfahren möchte, sollte einen Blick auf die linke Spalten meines Blogs werfen, genauer: "Other Encounters" und "Here Be Adventure". Dort findet der interessierte Leser Links, die von Nutzen sein können. Besonders seien Vaults of Pandius für Mystara empfohlen und Fantasy Maps by Anna B Meyer für die World of Greyhawk.

Falls jemand noch mehr zur Aktion #RPGaDAY2015 lesen möchte, findet er u.a. auch in diesen Blogs Artikel dazu: Greifenklaue's Blog, De Malspöler, Mondbuchstaben, Jaegers.Net, Le joueur de Prusse en exil. Oder er guckt bei rsp-blogs vorbei, da wird er sicher auf noch mehr Blogs aufmerksam.

3 comments:

  1. Die beste Beschreibung, weil am umfangreichsten ohne das Setting zu ersticken, und weil sie die Änderungen der Greyhawk Wars revidiert, dürfte der Living Greyhawk Gazetteer sein. Ich bin auch ein großer Fan von Oerth ;)

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    1. Du hast recht, der ist sehr gut. Hätte ihn auch noch erwähnen können, zusammen mit der "Living"-Phase für das Setting. Danke für den Hinweis. :)

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  2. Ich hätte bei Dir auch eindeutig greyhawk erwartet, aber stimmt, auf Mystara hatten wir auch ne Menge Spaß. (Was heißt auch, nur der erste Teil der DCC-Kampsgne war ja auf Greyhawk, sonst hab ich es nicht bespielt).

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