Tuesday, 18 August 2015

#RPGaDAY2015 - Beliebtestes Sci-Fi-RPG

Tag 18 von #RPGaDAY2015. Wer nicht weiß, was der Hashtag bedeutet, der liest einfach in meinem Eingangsthread nach. Die Frage heute lautet:

Wie heißt dein beliebtestes Science-Fiction-Rollenspiel?

 

Ich grenze die Frage für mich mal auf "Space-Sci-Fi" ein und lasse dystopische oder Retro-Settings (also die mit einem "-punk" im Namen) außen vor. Deshalb würde ich instinktiv ALTERNITY anworten, wenngleich ich kein Sci-Fi-RPG wirklich exzessiv gespielt oder geleitet habe - mal von Star Wars d6 abgesehen, aber das war vor Ewigkeiten (späte 80er und frühe 90er) und irgendwie tue ich mich zunehmend schwer, es unter Science-Fiction einzuordnen.

Okay, dann will ich mal wieder etwas schwafeln. Der Grund für mein vergleichsweise armes Sci-Fi-Rollenspielerdasein lag daran, daß ich selten interessierte Spieler in meinem Dunstkreis hatte, die für die Materie wirkliche Begeisterung aufbringen konnten. Wieder: abgesehen von Star Wars (*hmpf*). Aber an ein paar schöne Momente erinnere ich mich dann doch: zum einen an Battletech (Mechwarrior), das trotz seines etwas drögen Spielsystems einiges an Begeisterung in mir entfachen konnte (ich war Spieler). Dann an das thematisch verwandte, aber optisch um einige Potenzen steilere Heavy Gear, daß ich kurz geleitet habe. Immer noch ein tolles Setting mit einem durchdachten Hintergrund. Während meines Auslandsjahres in England habe ich das Star-Trek-Rollenspiel (Fasa/FanPro) kennen und lieben gelernt. In Wolfsburg nahm ich an zwei guten Traveller-Runden teil (und seit gestern Abend wieder an einer brandneuen, yiiiiehaaaw!). Traveller leitete ich auch selbst mal, es war tatsächlich das erste Sci-Fi-Rollenspiel, daß ich besessen habe. Es folgte dann noch Sternengarde (engl. Star Frontiers), daß Science-Fiction meines Erachtens nach auch eher "streifte" und gerade durch die Startkampagne auf Volturnus deutlich an D&D-Fantasy erinnerte. Was ich, so muss ich sagen, ganz charmant finde. Ach, es gab noch so viele Sci-Fi-RPGs, die ich im Laufe der Jahre besessen, gelesen und dann doch (fast) nie geleitet oder gespielt habe: Spacemaster, HARP SF, Prime Directive, NOVA, Stars Without Number, Stellar Wind, Space Gothic, Renegade Legion, Other Suns, River of Heaven, Universe, The Mechanoids, A Thousand Suns, Transhuman Space, High Frontier, Fading Suns und vermutlich noch ein paar mehr. Ihnen allen konnte ich gewisse Aspekte abgewinnen, aber vollkommen überzeugt hat mich davon keines.

Bill Slavicseks und Rich Bakers Alternity, jener letzte Sproß aus dem Hause TSR (damals bereits unter WotC-Flagge), der als geistiger Nachfolger von AD&D II und konzeptioneller Designvorgänger von D&D 3.0 im Jahre 1998 auf den Markt kam, ist eines jener Systeme, die mich immer wieder faszinieren. Man findet die altbekannten 6 Attribute wieder und die Spielmechanik basiert auf einem W20. Bei den meisten Proben kommt noch ein "Situationswürfel" dazu, der mehrflächiger wird, je schwieriger die Aufgabe ist - man muss also "drunter" würfeln. Ein besonderes Merkmal ist die "Qualitätsstufe" bei Fertigkeitsproben. Je besser man seine Probe schafft, desto wirkungsvoller wird der Effekt (bei Waffenfertigkeiten erhöht sich der Schaden qualitativ, bei Ausweichen erhöht er den Situationswürfel des Angreifers, bei sozialen Fertigkeiten erhöht er den Grad an Überzeugung, Täuschung oder anderen Effekten, etc.). Die Charaktere steigen in Berufsklassen auf, es gibt ein Stufensystem, aber die Sterblichkeit bleibt über die gesamte Progression bis Stufe 20 relativ gleich - was es eben von D&D unterscheidet. Somit ist Alternity primär ein auf Fertigkeiten aufbauendes Spiel, dessen Wurzeln aber angenehm straff im Klassensystem seines großen Vorgängers liegen, und deckt von den Regeln her eine enorme Bandbreite an möglichen Sci-Fi-Inhalten ab (und steht in dieser Hinsicht in der Tradition von Traveller). Es kann sowohl als Engine für moderne Action-Thriller wie auch für ferne Space Opera benutzt werden. Eine überschaubare Anzahl an Erweiterungsbänden (die übrigens alle empfehlenswert sind) bohrte dann einzelne Elemente noch weiter auf, etwa Computer, Roboter und Hacking in Dataware oder die weniger greifbaren Mächte der Metaphysik in Beyond Science.

Das dafür entworfene Space-Sci-Fi-Setting Star*Drive ist sehr breit und generisch angelegt, bedient sich heftig bei Traveller (gerade was die "Sprungtechnologie" anbelangt), bietet eine Mischung aus Hard SF und Space Opera, kann mit ein paar sehr interessanten Fremdrassen aufwarten und hat viel Platz für Nischen, in denen man eine Kampagne nach eigenem Geschmack unterbringen kann - sei es Military SF, Exploration, Handel, Spionage oder eine andere Spielart. Es ist auch durchaus erstaunlich, daß in den gut 2 Jahren, die Alternity und dessen Settings (neben Star*Drive sei noch das hervorragende Dark°Matter erwähnt) produziert wurden, 20+ Quellenbände und Abenteuer erschienen sind, ehe alles vom Kometenschweif der hereinbrechenden D20-Ära überstrahlt wurde. Teile davon findet man verstreut in D20 Modern (2003) wieder, daß ohnehin in vielen Punkten stark an Alternity erinnert.

ALTERNITY ist eines dieser Systeme, die ich immer wieder zur Hand nehme, darin lese und augenblicklich Lust bekomme, damit zu spielen. Wirklich erklären kann ich es nicht, schließlich ist das System in keiner Weise irgendwo besonders bahnbrechend oder sowas. Es ist aber wohldurchdacht, grundsolide und schick gelayoutet, ein "Kind zwischen den Welten", sozusagen - zwischen AD&D und D20, zwischen TSR und WotC. Daher ist es - sehr knapp - vor Traveller mein beliebtestes Sci-Fi-RPG. Wer weiterführende Infos zu Alternity sucht, schaut am besten einmal ->hier oder ->hier vorbei. Die Fanbasis ist immer noch aktiv.

Falls jemand noch mehr zur Aktion #RPGaDAY2015 lesen möchte, findet er u.a. auch in diesen Blogs Artikel dazu: Greifenklaue's Blog, De Malspöler, Mondbuchstaben, Jaegers.Net, Le joueur de Prusse en exil. Oder er guckt bei rsp-blogs vorbei, da wird er sicher auf noch mehr Blogs aufmerksam.

2 comments:

  1. Alternity ist das eine TSR-Spiel, das ich mir nie genauer angeschaut habe (von den ganz frühen Sachen wie Gangbusters und Boot Hill mal abgesehen). Ich fand das Buch immer zu bunt - ich fühlte mich abgelenkt. Trotzdem gebe ich es nicht her - es ist die Vorab-Version mit dem ganz schwarzen Cover und dem alten Logo...

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    1. Ja, die limitierte Preview-Ausgabe war das. Cooles Besitzstück! Ich mag gerade die Farbgestaltung von Alternity. ;)
      Falls Dir die Grüntöne (Player's Handbook) oder Blautöne (Gamemaster's Guide) darin schon zu "bunt" waren, wird Dir wohl meine Antwort auf die morgige Frage noch viel weniger gefallen... *chr chr chr*

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