Wednesday, 7 January 2015

Quo vadis, Dungeons & Dragons?

Groß war meine Freude über die nach der langen Entwicklungs- und Testphase schließlich erschienenen 3 neuen Grundregelwerke von Dungeons & Dragons. Jegliche Skepsis, die ich im Vorfeld hatte, ist mittlerweile fast vollständig verflogen und ich denke, dass D&D "V" oder "Next" ein wirklich gutes Rollenspiel geworden ist, welches das Erbe würdig weiterträgt.

Was mir ebenfalls ein richtiges Lächeln aufs Gesicht zauberte, war das Name-Dropping in den Grundregelwerken, insbesondere im Player's Handbook. Allenthalben liest man dort Namen aus vielen bekannten D&D-Welten und -geschichten. So sind z.B. große Teile der Pantheone von Krynn, Toril oder Oerth enthalten, Tika Waylan (Drachenlanze) und der Zwerg Bruenor (Vergessene Reiche) dienen als Beispielpersönlichkeiten für die Charaktererschaffung. Und wer es noch nicht getan hat: unbedingt die "Disclaimer" über dem Impressum der drei Regelwerke lesen - da muss jeder D&D-Liebhaber schmunzeln. All das führte natürlich dazu, daß die Hoffnung auf die Wiedererweckung dieser Welten aufkeimte.

Doch allem Name-Dropping zum Trotz wird's wohl bei den Vergessenen Reichen bleiben, was neues Material für D&D angeht. Die Umsetzung anderer ikonischer Spielwelten aus TSR-Zeiten dürfte noch lange auf sich warten lassen. Falls sie denn überhaupt kommt. Zumindest spricht die aktuelle Veröffentlichungspolitik diese Sprache, denn nach der "Tyrannei der Drachen", der 2-bändigen Kampagne gegen Tiamat und ihre Drachenbrut, kommt nun in der neuen Kampagne "Elemental Evil" das Unheil in Form des "Elder Elemental Eye" daher. Würde man Tiamat (sprich: Takhisis) als Göttin der Dunkelheit ursprünglich auf der Welt Krynn (Drachenlanze) verorten, so klingeln jedem AD&Dler der ersten und zweiten Stunde beim Lesen der Worte sofort die Ohren. Der Temple of Elemental Evil ist ikonisch für die World of Greyhawk, hat praktisch dort Geschichte geschrieben. Und das finstere Artefakt, das Elder Elemental Eye ist wenig mehr als Tharizdun, der eingekerkerte Gott der absoluten Zerstörung und Anti-Schöpfung. Ein Name, den kaum ein vernunftbegabtes Wesen auf Oerth laut aussprechen würde. Trotz der zweifellos bestehenden Verknüpfungen zwischen D&D-Welten (ob nun historisch-genetisch oder "in-game" via Spelljammer bzw. Planescape), die sicherlich auf vielerlei Weise erklären können, warum Wesenheiten oder Artefakte auch in andere Settings gelangen, und der Tatsache, daß es schon vorher auch in den Vergessenen Reichen einen Kult gab, der diesen Gott erwecken wollte, bilden sich bei mir Sorgenfalten auf der Stirn.

Viele Fans der Vergessenen Reiche haben sich u.a. auf EN World schon beschwert, warum man bekannte Elemente, die in anderen Settings quasi integral sind, heraus rupft und nach Faerûn verpflanzt. Und ich frage mich auch genau das. Warum passiert das? Die Vergessenen Reiche lassen ja nun wahrlich an indigenen Schurken und epischen Abenteuerkeimen nicht missen!

Bilden seit der 4th Edition weiterhin die Reiche das einzige breit unterstützte Setting? War das Name-Dropping nur Beschwichtigung - ein Lippenbekenntnis? Ich mag die Vergessenen Reiche, aber würde mir die Rückkehr zu mehr von den "vergessenen Settings" wünschen - insbesondere Greyhawk und Dragonlance. Gern auch durch Drittanbieter, die über entsprechende Lizenzen verfügen (z.B. Margaret Weis Productions). Eventuell springen ja auch Fans in die Bresche?

Die Hoffnung stirbt zuletzt.




13 comments:

  1. Das ist so nicht richtig. Das "Elemtal Evil" wird im Zusamenhang mit dem Pool of Radiance und den weiteren Pools (siehe entsprechende FR Buch Reihe) sehr wohl schon in den Frühzeiten der Forgotten Realms erwähnt bzw. findet den Eingang in die Welt.

    Das Abenteuer Pools of Radiance war sogar noch 1st Edition.

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    1. Hallo Hauke, danke für Deinen Kommentar. Mir war nicht bewußt, daß dieses Element schon so früh Erwähnung in den Realms fand. Aber ich schrieb ja, daß es dort schon auftauchte (bzgl. Kult und so). Intimer bin ich mit den Realms nicht vertraut.
      Doch mir ging es nicht so sehr darum, zu belegen, ob und wie weit es da Referenzen gibt, sondern eher darum, daß elementare (kein Wortwitz beabsichtigt) Inhalte, die man zu allererst mit anderen Settings in Verbindung bringt, in den neuen Kampagnenabenteuern zum zentralen Drehpunkt gemacht werden.

      Kampf gegen Drachen und Bodentruppen, die von einer Göttin mit fünf Drachenköpfen angeführt werden? = DRACHENLANZE!
      Eine Kampagne, die den Titel "Elemental Evil" trägt und vier Prinzen der Apokalypse als Gegner featured? = TEMPLE OF ELEMENTAL EVIL! (Untrennbar mit GREYHAWK verbunden.)

      Es wirkt auf mich so, um es etwas zugespitzt auszudrücken, als ob die Wizards versuchen, die erfolgreichsten, bekanntesten Abenteuerplots der TSR-Geschichte aus anderen Settings auf die FR zu übertragen. Wieso nimmt man nicht ikonische Gegner und Plots aus den Reichen? Ist das Teil des "Abholens von Spielern anderer Lager", was man ja mit der neuen Edition anstrebt?

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    2. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass du Recht hast, denn es ergibt aus Sicht von WotC durchaus Sinn, die Forgotten Realms auf Kosten von Greyhawk und der Drachenlanze zu stärken. Im Grunde ähneln sich die drei in vielen Punkten stark, die prägenden Punkte der anderen Settings ließen sich daher problemlos in einer abgelegenen Ecke der Forgotten Realms unterbringen. (Ravenloft wird ja vermutlich ähnliches wiederfahren, wenn es denn wieder unterstützt wird.) So würde man es sich sparen, die Standard-Fantasy-Elemente mehrfach auszuarbeiten.

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    3. Naja, auch Tiamat war ja tief verankert in dern Realms, in Chessenta im ehemaligen Old Empires. Dort erschien sie u. a. auch in den Times of Troubles und wurde im Kampf mit Gilgeam getötet.

      Die Kosmologien des D&D Universums waren stets überschneidend, es gab ja sogar Abenteuer, die weltenübergreifend waren (Castle Spulzeer hieß eines aus der FR Reihe, wenn ich mich recht entsinne).

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    4. Keine Frage, daß es durchaus sinnvoll erscheint, wenn man bestimmte Aspekte betrachtet. Und wenn auch alle drei Settings Ähnlichkeiten aufweisen (High-EDO-Fantasy), sind es viele Details, die ihnen Individualität geben. Und um diese geht es mir, gepaart natürlich mit nostalgischen Gefühlen. Ich möchte diese Welten nicht aufgegeben wissen - wie wohl viele andere langjährige AD&Dler ebenfalls nicht. Gerade da mag es problematisch werden, wenn Wizards mit vielen Aktionen (z.B. Neuauflagen oder Wieder-verfügbar-machen alter Editionen/Abenteuer, Anbiederung an Grognards und Neueinsteiger mit der 5. Edition) den Eindruck erwecken, der großen Geschichte dieses Rollenspiels Rechnung tragen zu wollen, aber dann u.U. aus der Historie ein großes Amalgam machen. Wie gesagt: noch ist vieles Kaffeesatzlesen, aber die Richtung gefällt mir eben nicht.

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    5. @Hauke: Du hast völlig recht, das meinte ich ja auch in ähnlicher Weise im Artikel, als ich von der Verknüpfung sprach. Welten inspirierten Welten. So waren z.B. die Drow und Lolth Gygaxs Schöpfung und zuerst in einem Abenteuer für Greyhawk verfügbar. Erst die Realms haben diese dann aufgegriffen und viel detaillierter ausgebaut.
      Die Chroniken der Drachenlanze waren als storybasierte Kampagne in vieler Hinsicht bahnbrechend für TSR und AD&D, haben den ikonischen Monstern eine historische Bühne gegeben. Vieles davon hat spätere Produkte beeinflusst.

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  2. Test, Test... Check!
    Wollte eigentlich nur loswerden, dass ich mir auch mehr alte, kleine Welten für D&D 5 wünsche. Muss ja nicht ausarten wie zu TSR-Zeiten. Aber so ein Drei-Buch-Modell für Spelljammer, Planescape, Mystara & Co wäre cool - Weltenbuch, Spielerbuch, Abenteuer...
    Fürchte nur, das bleibt erstmal Wunschdenken. Die Wizards kalkulieren meiner Meinung nach gerade knallhart, was sich wirtschaftlich lohnt und was nicht.

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    1. Ja, das Konzept könnte ich mir reizvoll vorstellen. Im neuen Kampagnenband "Elemental Evil" wird es ja ein Adventurer's Handbook geben, daß wahrscheinlich neue Optionen und Hintergründe für Charaktere bereithält.
      Oh, und schön, daß Du nun hier posten kannst. :)

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  3. Fünfköpfige Drachen und Elemental Evil sind zwar ikonisch für bestimmte Settings, die zwar EDO sind, aber (zumindest bei Drachenlanze) dennoch thematisch fokussiert sind. FR sind aber nunmal über 25 Jahre DAS Setting der TSR/ WotC und mit den meisten D&D Editionen verknüpft. Hinzu kommt, dass die FR so bunt und vielseitig sind, dass trotz der ikonischen Verknüpfung mit anderen Spielwelten "fremde" Themen eben ohne Weiteres verknüpft werden können. Deshalb ist es imho objektiv legitim, weiterhin die FR als (in)offizielle Basis für Produktentwicklungen zu nehmen.

    Allerdings sehe ich das ähnlich wie Argamae und Joni: Schöner wäre es, einen "richtigen" Richtungswechsel und eine konsequente Auffrischung der Settings und Abenteuer vorzunehmen, statt den alten Käse der FR mit "neuen" Impulsen wiederzubeleben.

    Im Übrigen würde ich nicht so sehr darauf herumreiten, ob und wie schon früher in den FR Themen anderer Settings referenziert wurden; denn diese Referenzen haben nicht zwingend dazu geführt, dass diese Themen deshalb ikonisch für die FR wurden. Beispiel dafür: Drow/ Dunkelelfen und Beholder; Beispiel dagegen: fünfköpfiger Drache und Drakonier/ Dragonborn ...

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    1. Nur für's Protokoll: ich bin auch der Meinung, es sei legitim, weiterhin die FR als "premier setting" zu unterstützen. Ich würde mir halt mehr Vielfalt in Sachen Hintergrundwelten wünschen.

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    2. Nur so als Nebengedanke: Während AD&D 2nd Ed, D&D3.X und sogar D&D 4E haben zuerst TSR und später WotC viele Erfahrungen mit dem Publizieren von Spielmaterial für alternative Settings gezogen. TSR ist daran regelrecht kaputtgegangen, obwohl sie neben den FR Produkten mit Dark Sun und Ravenloft zwei durchaus "starke" Produktlinien hatten, aber eben auch Brthright, Red Steel, Dragon Mountain (u.a,?) auflegten, die Kosten verursachten, aber kaum Abnehmer fanden. Während D&D 3.X auf Greyhawk regelrecht ausgelegt war (Pantheon im PHB) und sogar das Living Greyhawk Gazeteer Companion als "Hook" für die Spielwelt publiziert wurde, besann sich WotC trotzdem auf die FR, weil dort die Akzeptanz am größten war; zudem wurden die Dragonlance Produkte auf 3.0 umgeschrieben und Eberron als "die" Alternativwelt in 3.5 angeboten; aber auch diese Produkte fanden einfach nicht die Abnehmer, wie sich das WotC vorgestellt hatte. Das zeigt sich an D&D 4E, die auf FR ausgerichtet wurden; alternative Settings wurden allenfalls mit etwas Grundmaterial versorgt.
      Ich nehme mal an, dass WotC aus diesem Grund auch mit D&D Neo auch ihr mittlerweile tradiertes Setting in den Vordergrund stellt, weil WotC davon ausgeht, mit Produkten aus den frühen oder früheren Tagen der D&D Editionen einfach nicht kostengünstig und zielgruppenorientiert Abenteuer herstellen kann - eine Art Kotau vor Wirtschaftlichkeitserwägungen.

      Es liegt dann wohl (leider) an interessierten Spielern, die Produkte entsprechend auf andere Settings umzuschreiben. Schön wäre zwar 'was anderes, aber so ist das halt, wenn wir SpielerInnen und SpielleiterInnen nur am "receiving end" als Konsumenten sitzen. Hinzu kommt ja, dass Nostalgiker wie wir auch nicht gerade den breiten Spielerstamm ausmachen ...

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    3. Da muss ich widersprechen, D&D 3.X war nicht auf Greyhawk ausgelegt. Die Pantheone im Spielerhandbuch haben leider wenig Aussagekraft. Das Setting wurde unter 3E nicht weiter entwickelt, es gab lediglich das "Living Greyhawk Gazetteer" und damit wurde die Weiterentwicklung der Welt in die Hände der Fans gelegt.
      DRAGONLANCE hingegen wurde weiterentwickelt, aber eben auch nicht von WotC selbst, sondern von MW Productions und fähigen Leuten wie z.B. Cam Banks. Und es entstand viel neues Material in dieser Ära, daß von vielen Fans hoch geschätzt wird.
      Mit der 4E stockte auch der FR-Support - allzu sehr hat man das Setting nicht nach vorne gebracht.
      Unterm Strich glaube ich schon, daß es sich für WotC finanziell lohnen würde, zumindest Lizenzen zu vergeben (und z.B. die unzeremoniell entzogene DL-Lizenz an MW Productions zurück zu geben). Gerüchten zufolge, die ich sehr kürzlich aufgeschnappt habe, haben die (Weis/Banks) wohl auch Interesse und bei Mike Mearls angefragt.

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    4. Naja. Wenn im PHB ein Pantheon einer bestimmten Spielwelt - wenn auch höchst bescheiden und auszugshaft - abgebildet wird, dann fällt es mir schwer anzunehmen, dass das Spiel nicht auch auf dieses Setting explizit ausgerichtet ist. Bessere Gegenargumente scheinen mir dann eher Halborks und die optisch kenderhafte Halblingdarstellung zu sein; allerdings sind diese zusätzlichen Spielerrassen eben auch nur Ausdruck für die im Ansatz setting-offene EDO Fantasterei; zwei Rassen im Spiel wegzulassen ist jedenfalls deutlich einfacher, als ein Pantheon - insbesondere mit den Konsequenzen für die Kleriker - auszuwechseln.
      Mit 4E stockte alles bei D&D Produkten und WotC, weil WotC zu einer völligen Unzeit D&D 3.5 obsolet werden ließ und dem Pizzabringdienst die Pfadfinderei überließ.

      Ich pflichte bei, dass WotC mit einer entsprechenden Lizenzierung an andere Verlage möglicherweise zusätzliche Einnahmen etwa für die Dragonlance oder Greyhawk generieren könnte. Ich schätze das aber auch so ein, dass WotC erst mal sehen will, wie D&D Neo/5/Neu/Next/Sternenschnuppe läuft und wie hoch die Akzeptanz dafür ausfällt. Hier kenne ich jetzt aktuelle Erhebungen und Statistiken nicht. Ich denke aber, dass WotC - auch mit HASBRO im Rücken - nur dann Lizenzen vergeben wird, wenn a) diese Lizenzen auch mindestens gut laufen und b) die Eigenprodukte darunter nicht leiden werden. Und das bleibt abzuwarten.

      Wie dem auch sei: Wenn Du "quo vadis" fragst, lautet die Antwort: typisches FR mit Crossover, wie man es von früheren Editionen her kennt, weil die D&D Welt nunmal die FR sind; diese gibt es spätestens seit AD&D 2nd Ed, für die wurde am meisten entwickelt; kein anderes D&D Setting kommt an Tiefe und Qualität der FR an. Insoweit sind Produktentscheidungen von WotC ziemlich naheliegend - auch der Versuch, mehr oder weniger bekannte oder klassische Elemente anderer Settings zu übertragen.

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