Saturday, 10 January 2015

Go ahead, orc, make my level!

Einfache Frage: wieviele Orks muss ein Kämpfer in jeder Edition von Dungeons & Dragons besiegen, bevor er von Stufe 1 auf Stufe 2 aufsteigt? Ein augenzwinkernder, aber interessanter Vergleich in Sachen Erfahrungspunkte, der ein Problem mit der neuen Edition belegt. Also, beginnen wir die Mathestunde (und im Vorfeld meine aufrichtige Entschuldigung an alle Ork-Freunde und -spieler da draußen für meine unverhohlene Diskriminierung).

Orc aus AD&D, (C) Wizards of the Coast
Dungeons & Dragons (Rote Box/Mentzer)
Der Kämpfer benötigt 2000 EP, um von Stufe 1 auf Stufe 2 zu klettern. Ein Ork bringt 10 EP. Ergo muss er
(2000 : 10 =) 200 Orks erledigen. Aber Moment! EP gibt's ja auch für Schätze. Wir müssen also den durchschnittlichen Schatzwert eines Orks berechnen (ich nehme nur das Individium und berechne keine Schätze für Läger). Ein Ork hat den Schatztyp (P), er trägt also 3W8 Kupfermünzen (KM) mit sich. Durchschnittlich sind das 14. Pro Goldmünze (GM) Schatzwert gibt es 1 EP und 100 KM sind 1 GM. Ein Ork bringt somit also 10,14 EP.
Berechnen wir neu: 2000 / 10,14 = 197 Orks.

Advanced Dungeons & Dragons
Hier benötigt der Kämpfer/Mensch 2001 EP für Stufe 2. Ein AD&D-Ork bringt 10 EP + 1 pro Trefferpunkt. Da der Ork einen Trefferwürfel (W8) hat, besitzt er durchschnittlich 4,5 TP. Ferner sind Orks reicher geworden und tragen 2W6 Elektrummünzen bei sich (Schatztyp L). Macht im Schnitt 7 EM = 3,5 GM. Und 1 GM = 1 EP.
Ergo lautet das Ergebnis nun (2001 / 18 =) 111 Orks.

Advanced Dungeons & Dragons, 2nd Edition
Ork aus AD&D 2nd, (C) Wizards of the Coast
2000 EP sind es nun wieder, die der Kämpfer verdienen muss. Hier bringt der gemeine Ork 15 EP ein. Der Schatztyp des Orks hat sich im Vergleich zur ersten Edition zwar nicht geändert, doch unglücklicherweise gibt es offiziell keine EP mehr für erbeutete Schätze. Hieße, daß ein Kämpfer (2000 / 15 =) 133 Orks bezwingen müßte, um Stufe 2 zu erlangen. Doch wenn wir großzügig die optionale Regel der individuellen Erfahrung für Charakterklassen anwenden, erhält der Kämpfer pro besiegtem TW an Monstern 10 EP pro Stufe. Macht in diesem Falle also 10 EP pro Ork, was seine benötige Opferzahl auf (2000 / 25 =) 80 Orks senkt. Da wir die EP ja auch nicht mit fiktiven anderen Gruppenmitgliedern teilen, müssen wir ferner annehmen, daß der Kämpfer jeden Ork im Zweikampf besiegt, was ihm laut Zusatztabelle "Häufige Einzelprämien" pro Gegner noch einmal den EP-Wert des Gegners beschert. Puh, das hieße: 15 EP pro Ork + 15 EP Zweikampfprämie + 10 EP pro TW des Gegners. Hieße schlußendlich: (2000 / 40 =) 50 Orks.

D&D 3E Ork, (C) Wizards of the Coast
Dungeons & Dragons 3.5
Vergangen sind inzwischen die Tage der individuellen Klassen-EP, nun steigen alle Charakterklassen anhand der selben Tabelle auf. Für Stufe 2 benötigen sie jetzt (standardmäßig) 1000 EP. Auch ist die Erfahrungspunktvergabe zunehmend "aufgeweicht" worden - soll heißen, daß vieles noch deutlicher dem Gutdünken des Dungeon Masters überlassen bleibt: Varianten wie "free-form experience" oder "ad hoc XP awards" sprechen eine deutliche Sprache. Blieben wir aber bei den Grundannahmen, dann ist ein Ork in D&D 3.5 etwa 150 EP wert (sein Herausforderungsgrad beträgt 1/2).
Und damit kommen wir auf (1000 / 150 =) 7 Orks bis zur Stufe 2.

Dungeons & Dragons, 4th Edition
Die vierte Ausgabe der D&D-Regeln brachte einige Änderungen, gerade auch in punkto Monster: Minion, Standard und Elite unterteilten jedes Wesen nochmals in verschiedene EP-Grade, von weiteren Kategorien wie z.B. Skirmisher, Controller oder Brute ganz zu schweigen. Schätze werden auch hier nicht berücksichtigt. Ich orientiere mich mal grob an der Ausrüstung und den Angriffen eines 3.5-Orks und finde in der vierten Edition den Orc Skirmisher (Standard, Level 3). Er kommt dem am nächsten und bringt 150 EP. Da ein Charakter auch in dieser Edition 1000 EP benötigt, um auf Stufe 2 aufzusteigen, ergibt sich die gleiche Rechnung wie im Eintrag zuvor: 1000 / 150 = 7 Orks.

Dungeons & Dragons (V, 5, Next)
Ork aus D&D 5E, (C) Wizards of the Coast
Hier wird's nun verwegen, denn ein Charakter (wieder klassenunabhängig) muss nur noch 300 EP zusammen klauben, um in den Genuß der 2. Stufe zu kommen. Das klingt wenig - ist es auch. Dazu kommt noch eine rechenintensive Festlegung (anhand von EP-Schwellen), was für eine gegebene Gruppe eine einfache, mittelschwere, schwere und tödliche Begegnung darstellt. In unserem schlichten Fall (1 Kämpfer, 1 Monster) bleibt es aber überschaubar. So stellt ein Ork (Challenge 1/2, 100 EP) für einen Kämpfer der 1. Stufe eine harte Herausforderung dar. Er muss sich also nacheinander harten (300 / 100 =) 3 Orks stellen, um aufzusteigen.

Tja, was bringt uns nun diese amüsante kleine Gegenüberstellung und Rechnung? Einen deutlichen Trend! Und ich meine nicht die offenkundige Deflation in Sachen Orkgefährlichkeit (*Zwinker*). Sondern das viel Wichtigere: Charaktere steigen mit jeder Edition immer schneller auf. Von Mentzer-D&D bist zur aktuellen Edition hat sich die Orkmenge für einen Stufenaufstieg gemäß meines Beispiels um ca. 97% verringert! Für mich ist nun der Punkt erreicht, wo es mir einfach zu schnell geht. Bereits in 3.5 empfand ich es mitunter als flott, doch mit Edition V wie Vollgas kann man an einem einzigen Spielabend womöglich durch 1 oder sogar 2 Stufen rasen. Ist dies eines der Designziele?
Betrachtet man allein das Abenteuer aus dem neuen Starter-Set, so sind dort die EP-Summen pro Begegnung bereits für die spielfertigen Charaktere vorberechnet und sorgen dafür, daß die Helden am Ende der Mini-Kampagne gut und gerne auf Stufe 5 sind. Wir sprechen hier - je nach Ausspielfreude der Gruppe - von vielleicht 3-6 Sitzungen. Der Ausblick kann doch dann nur sein: schneller spürbare Erfolge/Belohnungen (Aufstiege) und Ausreizung der Charakterpotenziale in überschaubarer Zeitspanne. Ein Zeichen der Zeit und kürzerer Aufmerksamkeits- oder Geduldsspannen? Und ist das überhaupt was Schlechtes?

Eure Meinung hierzu ist mir hochwillkommen - ebenso wie Hinweise auf eventuelle Berechnungsfehler. Für mich persönlich kann ich festhalten, daß mir ein bißchen das "Campaigning" der 80er und 90er Jahre fehlt, wo jeder Stufenaufstieg hart verdient und lang erstritten wurde. Selbst wenn ich dafür heute wohl tatsächlich kaum noch die Zeit fände...

9 comments:

  1. Dann ergänze ich mal um einen alten Blogbeitrag aus der Anfangszeot der Seifenkiste - da wurde Ähnliches schon bei D&D 4 festgestellt: http://glgnfz.blogspot.de/2008/09/sie-trugen-keine-namen-ii.html

    ReplyDelete
    Replies
    1. Hi Moritz, danke für den Kommentar und den äußerst witzigen (und interessanten) Link auf Dein Blog. Gibt also noch "Beklopptere", die gleich ganze Simulations-Algorithmen schreiben, um was zu belegen. Geil! ;)

      Delete
  2. Ist dies eines der Designziele?

    Ja, ist es. Die ersten drei Level sollen drei Abende lang dauern. Ab Level 4 beginnt das das eigentliche Spiel, mit 3-4 Abenden pro Level.
    Angeblich haben die meisten Spieler erst ab Level 5 so richtig Spaß, wenn Feuerbälle und Blitzschläge beginnen. Entsprechend schnell werden die Chars nun durch die unteren Level gejagt.

    Das DMG hat da zumindest Hinweise, wie man den Anstieg langsamer gestalten kann. Mir gehts da nämlich wie dir... schnell mag gut sein, aber das ist einfach zu schnell. Das gleiche gilt für die Menge an Heilungen... auch hier hat das DMG "härtere" Spielvarianten vorrätig.

    ReplyDelete
    Replies
    1. Ein Grund, weswegen ich das neue DMG sehr schätze!

      Delete
  3. Was die Rechnung unterschlägt - darf sie bei dem Augenzwinkern aber auch - das man in cD&D sicher auch "monsterunanhängige" Schätze findet, es daher andere EP-Quellen gibt, die späteren SC anderer Editionen nicht mehr offenstanden. Oder anders gesagt: Da musste es ja noch ein anderes EP-Balancing geben. Aber: echt interessanter Vergleich.

    ReplyDelete
    Replies
    1. Ja, das ist natürlich richtig. Schätze spielen natürlich bei "classic" D&D und auch AD&D eine entscheidene Rolle in punkto Aufstiegsgeschwindigkeit. Auf der anderen Seite hatten spätere Edition ebenfalls neue "EP-Quellen", wie ich sie ja auch schon angedeutet habe - darunter EP für das Erreichen von bestimmten Abenteuerzielen oder -abschnitten (teils nochmal in Höhe der Summe aller bis dahin bezwungenen Monster) oder auch das "Milestone"-Konzept aus der aktuellen Edition (was im Prinzip das Gleiche ist). Diese müsste man dann bei einem realistischen, "inflationsbereinigten" Vergleich auch berücksichtigen. So aufwändig wollte ich es mir aber nicht machen und nahm stattdessen eine einfache Konstellation, die vornehmlich eines berücksichtigt, daß in jeder Edition gleich geblieben ist: EP für Kämpfe.

      Delete
  4. Ich schließe mich Hauke an. Für einen guten Vergleich solltest du nochmal das Gleiche für Stufe 5 und 6 berechnen, den bei 5e sind die ersten Stufen ja explizit anders gestaltet. Die Zahlen der vorherigen Editionen sind aber schon krass unterschiedlich, witzig.

    ReplyDelete
    Replies
    1. Interessanter Gedanke, Jan. Das mache ich mal als "follow-up" für diesen Artikel.

      Delete
  5. Hi.

    Guter Vergleich. Er trifft den Nagel auf den Kopf. Mir sind gleich zwei Gedanken gekommen:
    Zum einen scheint sich dieser Trend anhand diverser Computer-Spiele und Apps zu orientieren, die auch auf den "niedrigen Stufen" eine "steile Karrierelaufbahn" beinhalten. Sprich: es gibt ein brutales incentive dafür, schon für kleine Herausforderungen großartige Erfolge zu feiern. Das scheint dann wohl hier im niedrigstufigen "Leveln" von D&D 5 auszudrücken.
    2. Ja - das "Campaigning-Gefühl" kommt irgendwie abhanden. Allerdings muss ich auch einräumen, dass ich früher bei AD&D 2nd Edition mit Freunden stets vereinbart hatte, schon auf Level 3 oder sogar 5 anzufangen, weil wir uns nicht erst noch wochen- und monatelang durch die niedrigsten Stufen zu "quälen". Und Ratten sowie Kobolde sind einfach irgendwann auch nicht mehr "so reizvoll" als Gegner. Damals war ich aber auch - zugegebenermaßen - recht unerfahren als Spielleiter und als Spieler. Heute würde ich das vermutlich etwas anders sehen.

    Best wishes!

    ReplyDelete