Tuesday, 28 October 2014

Review: D&D Starter Set, 5th Edition

Box Art, (C) WotC
Die Starter Sets von (A)D&D dienen als Einführung in das Hobby und natürlich in die Regeln der jeweiligen Edition. Vor diesem Hintergrund betrachtet, macht die neue Box für die 5th Edition vieles richtig und wenig falsch.

Der Inhalt orientiert sich in etwa an vorherigen Starter Sets. Hier sind es 2 geklammerte Hefte mit vollfarbigen Seiten (ein 32seitiger Regel- und ein 64seitiger Abenteuerband), 5 Charakterbögen mit vorgefertigten Charakteren (Zwerg/Kleriker, Elf/Magier, Halbling/Schurke, 2x  Mensch/Kämpfer) sowie ein 6teiliger, marmorierter Würfelsatz von guter Qualität (W4, W6, W8, W10, W12 und - natürlich - W20). Ein umseitig mit Blanko-Charakterbogen bedruckter Werbeflyer (nützlich!) bildet dann den Abschluß.

Die allgemeine Aufmachung ist gewohnt professionell - gute Lesbarkeit, saubere Gliederung, hübsche Karten und großartige Illustrationen. Jedoch ist die Einführung ins Rollenspiel sehr knapp geraten: eineinhalb Seiten, dann geht's schon an Eingemachte und Spielbegriffe werden erläutert. Hier hätte man noch ein, zwei Seiten zugeben sollen, um eine aus vielen anderen Produkten bekannte Spielsitzung mit "verteilten Rollen" und wörtlicher Rede nebst Spielregeln zu präsentieren. So, wie es recht ausführlich z.B. in der ersten Edition von AD&D enthalten war. Das hat mir damals sehr geholfen, mir den Spielablauf vorstellen zu können - und ich schätze, heute hilft es Neulingen ebenso gut. Hier ist dies suboptimal geraten.

Der Regelteil selbst geht absolut in Ordnung und präsentiert den Kern des D&D-Spielsystems (Spielbegriffe, Kampf, Abenteuer, Magie). Diese Grundlage bietet schon genug Brennstoff, um ein erstes Rollenspiel ordentlich in Gang zu bringen und am Laufen zu halten. Allein, eigene Charaktere kann man mit diesen Regeln (mal wieder) nicht erschaffen - wie auch in den Starter Sets zu D&D 3.5 und 4th Edition. Inwiefern man dies als falsches Produktdesign betrachten soll, lasse ich mal dahingestellt.
Dagegen ist das diesmalige Fehlen von Bodenplänen (zum Spiel mit Countern oder Miniaturen) eher ein Feature denn ein Bug. In der 5th Edition ist das Spiel mit diesen Komponenten lediglich eine Option und nicht mehr eindeutig darauf zugeschnitten.

Der Abenteuerband ("The Lost Mine of Phandelver") selbst ist grundsolide, wenngleich er als veritabler Schaukasten ikonischer D&D-Kost geraten ist - sowohl in Bezug auf die Monsterauswahl als auch auf den Abenteuerplot und seine Schauplätze. Das klingt von mir vielleicht negativer als es gemeint ist. Neulingen stehen einige aufregende Momente und (hoffentlich) spannende Kämpfe bevor. Ein klassischer Auftakt, durch den Spieler wie auch SL gut sortiert und getaktet hindurch geführt werden, schafft zusammen mit der gelungenen Hintergrundanbindung der vorgefertigten (und ebenfalls sehr ikonischen) Abenteurerschar eine erste Immersion in die Vergessenen Reiche, die als Setting dienen (hier die Umgegend der Stadt Neverwinter/Niewinter). Ich persönlich finde es gut, daß für das Abenteuer kein "neutrales" Vakuum geschaffen wurde, sondern gleich Interesse für eine originale und vielfältige D&D-Kampagnenwelt geweckt wird.

(C) Bild von Nerdtrek.com
Es folgt die Ankunft an einem Ort, der als Ausgangsbasis dienen kann und viele NSC bereit hält, mit denen interagiert werden kann. Hier nun verlagert sich das bisher programmierte Geschehen hin zu einer kleinen, offener gestalteten Schauplatzreise, bei der weitere Hinweise auf den eigentlichen Höhepunkt des Abenteuers gefunden werden können und die den Spielern - je nach Neugier und Spielanlage - die Blende für einige größere Zusammenhänge in den Vergessenen Reichen öffnet. Dies setzt allerdings voraus, daß zumindest der SL ein wenig Hintergrundwissen mitbringt; falls nicht, hängt dieser Teil deutlich vom Improvisationstalent und der Phantasie des SL ab. Auch kommen hier nach und nach weitere Regeln zum Einsatz. Diese einzelnen Begegnungen können relativ schnell abgehandelt werden, erlauben aber auch erinnerungswürdige Rollenspielmomente und bieten gerade Neulingen einen kleinen Ausblick auf die Vielfalt einer typischen Fantasyspielwelt. Der letzte Abschnitt ist dann ein bilderbuchreifer Verliesbummel mit einigen fiesen Monstern und der finalen Konfrontation mit dem Endgegner. Insgesamt dürfte das Abenteuer kein Spaziergang sein und einen TPK an mehr als einer Stelle halte ich für eine reale Möglichkeit - je nach Torheit oder Umsicht der Spieler bzw. Wohlwollen des SL.

Schaffen die Abenteurer alle Herausforderungen, können sie bis zur 5. Stufe aufsteigen - soll heißen: der Gesamtinhalt dürfte für mehrere Spielabende Potenzial bieten. Nach einem bald folgenden Spieltest kann ich dazu aber sicher noch informiert berichten.


Detail, dass mir gut gefällt:
  • Charaktere werden auf Original-Charakterbögen präsentiert, ohne vorgegebene (oftmals peinlich-klischeebeladene) Namen oder Bilder; sie enthalten alle Werte, die sich auch in einem regulär mit dem Player's Handbook erstellten Charakter ergeben (nichts wird verkürzt oder weggelassen, was den späteren Übergang zu eben erwähntem Buch besser macht)
Detail, dass mir nicht gefällt:
  • Der Preis der Box sollte gering bleiben, daß verstehe ich, und für 18 Euro bekommt man wirklich soliden Inhalt; nur bleibt das Fehlen einer faltbaren Posterkarte, die man den Spielern präsentieren kann, ein wirkliches Manko

Alles in allem aber für mich persönlich ein gelungener Appetitanreger auf die Dungeons & Dragons, 5th Edition, die deutlich besser zu werden verspricht, als ich es mir vorgestellt hatte.

2 comments:

  1. Das schneidet ja relativ gut ab - insgesamt ist in jedem Fall positiv, dass D&D 5 den Twist geschafft hat, von dieser negativen Stimmung wegzukommen und doch (viele) positiv zu überraschen.

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    1. Da ich ja nach den ersten Playtest-Downloads alsbald das Interesse verlor, habe ich im Nachgang auch nicht mehr wirklich verfolgt, wie das neue D&D sich entwickelte und bei den Spielern ankommt. Eine negative Grundstimmung in der Gamer-Community wurde mir also nicht wirklich bewußt (auch, wenn ich sie für mich persönlich irgendwo schon hatte).
      Aber ja - ich bin momentan, auch nach Lektüre des PHB, tatsächlich äußerst positiv überrascht!

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