Saturday, 12 January 2013

Modern School - 40 Würfel westwärts

So, Winterferien sind vorbei - es geht wieder in die modern school! Wie bereits das letztemal angekündigt, möchte ich es nicht versäumen, ergänzend zu den offiziellen WotC-Produkten für D20 MODERN auch einige exquisite Quellenbände von Drittanbietern vorzustellen. Diese stellen teilweise das offizielle Material in den Schatten. Drei Bücher habe ich mir mal herausgepickt - von drei verschiedenen Verlagen. Die jeweiligen Settings dieser Quellenbände könnten unterschiedlicher nicht sein: nämlich Wilder Westen, Organisiertes Verbrechen und Endzeit. Los geht's.

Das Softcover von 2004 - (c) DHR/Green Ronin
Den Auftakt macht SIDEWINDER: RECOILED von Dog House Rules (verlegt von Green Ronin Publishing in ihrer soliden Mythic-Vistas-Reihe). Dies ist die überarbeitete und an D20 Modern angepasste Fassung des bereits vorher sehr empfehlenswerten Sidewinder, welches noch auf den D&D-Regeln fußte. Recoiled aber würde ich als das auf Hochglanz polierte Meisterstück betrachten. Wenngleich in hiesigen Breiten immer noch ein Exot, gibt es in den USA für das Western-Genre eine recht große Palette an Rollenspielen (die übernatürlichen Ableger wie Deadlands mal außen vor) - angefangen mit TSR's legendärem Boot Hill (1975) bis hin zu Kenzer & Co.'s Aces & Eights (2007). Wenngleich gerade letztgenanntes ein mächtiger Herausforderer mit hoher Informationsdichte, crunchigem Detailgrad, spannendem Alternate-History-Setting und unübertroffenem Eye Candy ist, würde ich mittlerweile wohl Sidewinder: Recoiled den Vorzug geben - denn es ist trotz üppiger 290+ Seiten zugänglicher und unbeschwerter, sowohl regel- als auch präsentationsseitig. Der goldene ENnie Award von 2004 ist absolut gerechtfertigt.

Das Layout ist sehr lesefreundlich und übersichtlich, die schwarzweißen Illustrationen zahlreich und stilsicher und die Kapitel werden treffsicher mit Zitaten aus Western-Klassikern sowie einer fortlaufenden Kurzgeschichte über die Abenteuer der Gunter-Gang eingeleitet, deren NSC-Spielwerte am Ende des Buches zur Verfügung stehen. Was dem Spiel im Wilden Westen zugute kommt, ist das D20-Modern-Konzept der 6 Basisklassen (siehe Teil 1 für eine Beschreibung). Man beginnt seine Karriere also nicht als "Gunslinger", "Mountain Man" oder "Desperado", sondern erarbeitet sich seinen Weg in eine dieser insgesamt 19 "advanced classes", die durchdacht und ausgewogen wirken und großen Spaß beim Lesen machen. Doch auch mit der d20 Modern Kombo aus Basisklasse und Beruf kann man zahllose interessante Charaktere erschaffen. Die Regeln sind generell klasse an das Genre angepasst worden (hier und da mit leichten Änderungen, etwa bei den Fertigkeiten oder in der Anwendung einiger Talente) und bilden eine geschlossene Einheit, die alle Eventualitäten eines Lebens im Amerika des vorvergangenen Jahrhunderts abdeckt - von Krankheiten und Alkoholmißbrauch über Showdown-Regeln bis hin zu den mannigfaltigen Gefahren auf dem Trail inkl. einer amtlichen Critter-Liste. So krass ins Detail wie Aces & Eights geht Sidewinder: Recoiled jedoch nicht - was aber okay ist. Zwar fand ich A&E's detaillierte Infos zu Pferderassen und ihren Fellzeichnungen oder Regeln, wie man eine Rinderherde über die Prärie treibt, nicht uninteressant - aber ich denke, dass zirka 95% aller Western-Rollenspieler das Ausspielen von so etwas nicht zum Kampagnenmittelpunkt machen. Was Western-Flavour angeht, so baut Recoiled neben dem, was es selbst beisteuert, hauptsächlich auf das kollektive Genre-Wissen aus Funk und Fernsehen.

Crotalus Cerastes (Quelle: Photography Blog)
Recoiled zitiert auch die historische Westernlegende Bat Masterson, der als verläßlicher Augenzeuge vieles über das Leben im Wilden Westen zu Papier gebracht hat. Neben den Infos, die man durch ihn erhält, stimmt er auch hervorragend auf das Genre ein. Besonders die 20seitige Einleitung ist mit ihrer Mischung aus Western-Fakten und spielrelevanten Bezügen sehr geeignet, um auch periphär interessierte Western-Rollenspieler mit dem Nötigsten zu versorgen. Übrigens: wer das abstrakte Wealth-System aus d20 Modern für Western ungeeignet findet und sich für seinen Charakter lieber "eine Handvoll Dollar" wünscht, dem geben die Autoren (wohlweislich) auch das historische Währungssystem an die Hand und statten alle Ausrüstungslisten mit beiden Spielwerten aus. Ein bestimmtes Subgenre des Western wird in Recoiled nicht forciert, man kann also Storys aus der goldenen Ära Hollywoods von John Ford oder Sam Peckinpah damit ebenso umsetzen wie G. F. Ungers Groschenromane, Django-Spaghetti-Western oder moderne Klassiker wie "Erbarmungslos" oder "True Grit". Bleibt abschließend zu sagen: Ich liebe Western! Und wenn man mit d20 dieses Genre bespielen will, gibt es keine Alternative - Sidewinder: Recoiled ist trotz Wiederholung von viel OGL-Regeltext das beste Western-Quellenbuch für dieses System und zugleich ein Musterbeispiel für die Zusammenführung von Genre und Spielmechanik. Wem der normale Western zu langweilig ist, kann durch Anbindung anderer d20-(Modern)-Quellenbände problemlos jeden gewünschten Inhalt hinzufügen - ob nun Fantasy, Horror oder Aliens. In der Tat eignet sich kaum ein System so gut dafür wie dieses.

4 comments:

  1. --> deleted first posting 'cause of typos XXL <--

    *schmacht*

    40 Würfel Westwärds => Sehr guter Titel. Der Beitrag macht Laune und Lust auf das Rollenspiel - obwohl D20 spin-off. Deine Ausführungen zu Modern D20 sind sehr vielversprechend.

    Muss ich mir bei Gelegenheit mal angucken.

    Mein letztes (und einziges) Western Rollenspiel war auf D6 basiert und sehr auf kurzweilige Unterhaltung ausgelegt.

    Thx4sharing.

    den dedlden dedlden BO-NANNNN-ZAAAAAAAAAA!

    YeeehawwwwwwWWWW!

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    Replies
    1. Vorab: hab' mal für Dich aufgeräumt und den "gelöschten" Post gelöscht. Quasi. ;)

      Freut mich, das Du den Artikel ansprechend findest. Vielen Dank. Ich spiele gerade mit dem Gedanken, mir ein paar Klassiker aus Hollywoods "golden western era" zuzulegen. Da gibt's ja so Sammelboxen, etwa von John Wayne. Da könnt ich echt mal wieder drauf. Aber mir haben auch einige der Spätwestern gut gefallen - zuletzt waren das "Appaloosa", "Todeszug nach Yuma" und "True Grit". Allesamt sehenswert.

      War Dein D6-Western ein offizielles Setting oder selbstgestrickt? Wo ich gerade davon spreche: es gibt auch ein ganz annehmbares SF-Western-Setting für D6, "Fires of Amatsumara". Lohnt vielleicht den Blick hinein, da ich Dein Interesse für SF ja auch kenne. Der Western kommt hier imho noch stärker durch als bei z.B. "Firefly".

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    2. Hi Argamae,

      ja, Danke für's Aufräumen. Kann ich Dich für mein Büro mieten? ;)
      Die Lösch-Funktion als solche habe ich ja mit dem gmail-Account nicht. Liegt ja auch eh in Deiner Blogger-Hoheit. Weil Dein Blog.

      Das D6 ... Nee, war lose. Der Spielleiter hatte einen Western-Comic-Band mit uns Spielern durchgespielt. Den Titel weiß des Comics weiß ich nicht mehr, war aber uralt und nach dem Helden der Comic-Serie bezeichnet. Wenn mir dessen Name an den Kopf geworfen wird, würde ich ihn vermutlich sogar wiedererkennen.

      "Fires of Amatsumara" ... Nie gehört. Aber hab' auch nie in Richtung Western oder ähnliches recherchiert. Für Deadlands hatte es nie gereicht. Sah zwar irgendwie witzig aus - Zombie-Gunslinger und Co. -, aber war für mich nicht "Western genug". Hast Du "Fires of Amatsumara"? Dann würde ich da beim nächsten Besuch 'nen Blick reinwerfen wollen.

      Best wishes!
      Liam
      P.S.: in a hurry, keine Korrekturlesung

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    3. Ob ich "Fires of Amatsumara" habe? Ist der Papst katholisch? ;)

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