Sunday, 27 January 2013

Düstere Klänge

Es ist eine Egonummer des SL - egal, wie man es dreht und wendet. Wenn der Spielleiter den CD-Player (oder wahrscheinlicher: den MP3-Player) anwirft, dann folgt sein Diktat. In diesem Moment gibt er einer Szene eine klangliche Untermalung, die nach seinem (und nur seinem) Dafürhalten die Atmosphäre stützt, die er in seiner eigenen Vorstellung herausprägt. Die wenigsten Spieler aber dürfte diese Form des "emotionalen Railroadings" stören - denn meist nimmt man vorstellungsbildende Hilfsmittel dankbar an. Jeder mag Handouts, oder? Dies ist ein Audio-Handout.

Wie man Musik am Spieltisch einsetzt, will ich hier nicht vertiefen - das wurde kürzlich ganz gut im Ye Olde Owlbear gemacht. Lesenswert, wenn man sich um den Einsatz von "Sound" noch keine großen Gedanken gemacht hat. Ich hingegen mach' einfach mal meine persönliche Klangkiste auf und präsentiere vorerst zwei meiner Meinung nach hervorragend einsetzbare und zur Jahreszeit passende Künstler.

Bewußt finden sich darunter keine klassischen "Songs", sondern es sind eher instrumentale Klang- und Tonwelten, die sich auch in aller Regel viel besser als Untermalung und Audio-Gehirnfutter eignen. Die Projektionsfläche für die eigenen Vorstellungen ist einfach größer.

Den Anfang macht APHEX TWIN. Für die, die sich in der Electronica-Szene auskennen, ist der Ire Richard David James ein Schwergewicht. Neben vielen Projekten und klanglichen Ausdrucksformen bietet sein Album "Selected Ambient Works Vol. 2 (1994)" einige äußerst gelungene Ambient-Stücke, die ein durchgehendes Tempo sowie eine konstante Stimmung haben - und damit hervorragend einsetzbar sind. Die hier vermittelten Stücke sind eher minimalistisch und haben oft einen maschinellen, industriellen und geisterhaft-verlorenen, melancholischen Charakter - teils getrieben von düsteren Beats, Tonspielereien und Geräuscheffekten. Dem gruseligen Unterton dieser Tracks können sich nur die Hartgesottenen entziehen. Daher eigenen sie sich imho vornehmlich für entsprechende Szenarien - was klassische Fantasy meist ausschließt (aber auch dafür findet man auf der Doppel-CD das eine oder andere passende Stück).

HÖRPROBEN

 
Aphex Twin - Tree

Aphex Twin - Grass



Der zweite Künstler ist SEPHIROTH. Wem die Aphex-Twin-Titel noch nicht düster genug waren, sollte hier mehr als bedient werden. Die dramatischen und dunklen Tracks fahren eher die "Gothic"-Schiene und schicken einen auf Gedankenreisen an Orte, die man vermutlich kein zweitesmal besuchen möchte. Grabeskalte Klangalbträume mit manchmal jäh krachenden Industrial-Drums oder dumpf-melancholischen Chorälen sind für eine Vielzahl von Rollenspielszenen denkbar - vom Tempel eines Totengottes über den Fund eines von der Zeit vergessenen Reliktes aus den Tagen der Großen Alten, den Gefechten in einer postapokalyptischen Ruinenstadt bis zu Barbarenschlachten auf blutdurchtränkten Anhöhen im Nebel eines dräuenden Morgens.

HÖRPROBEN

Sephiroth - Dark Father (Album: Cathedron)

Sephiroth - A Map Of Eden Before The Storms (Album: Draconian Poetry)


Mich persönlich inspirieren viele der Tracks auch bei der Vorbereitung von Abenteuern, ohne das ich die Stücke selbst im Spiel einsetze. Und immer dran denken - wie bei allen "Extras" und "Handouts" gilt auch (oder gerade) für Audio: weniger ist mehr. Bleibt Spielleiter. Werdet nicht DJ.

2 comments:

  1. Wir haben bei uns am Spieltisch schon seit langem einen relativ "hohen Standard", was den Einsatz von Sounds angeht.
    Als DM habe ich ungefähr 100 Wiedergabelisten mit verschiedenen Themen (Taverne, Markt, Wald, Dungeon etc.), die jeweils mit 5-20 Titeln bestückt sind, die ich je nach Umgebung dann einspiele.
    Dazu benutzen wir noch ein Hintergrundgeräuscheprogramm (Ambience oder Atmosphere Deluxe z.B.) das Wind, Waldgeräusche, Stadtgeräusche, Regen etc. auf einer zweiten Tonspur abspielt.
    Das klingt nach viel Aufwand, ist aber mit einem Ipad/Tablet sehr easy zu managen (insbesondere praktisch, wenn man seine Regelbücher auch auf dem Ipad/Tablet liegen hat).
    Ich würde übrigens auch empfehlen für viele düstere Dinge elektronische Musik zu verwenden und nicht auf Klassiker wie Erdensterns Into the Dark zurückzugreifen.

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    1. Klar, wenn die technischen Voraussetzungen einen so problemlosen Einsatz ermöglichen, dann ist das natürlich klasse. Ich habe es aber auch oft so erlebt, daß minutenlang nach dem richtigen Track gesucht wurde und das mehrfach am Abend (mir selbst ist das übrigens auch passiert!), was dann eher stimmungstötend als -förderlich war. Daher meine "Warnung".

      ERDENSTERN ist ein tolles Projekt und die Dinger sind gut, leiden aber natürlich (ähnlich wie Basil Poledouris' CONAN) sehr schnell an "Überspielung" - da sie eben als RPG-Musik vermarktet werden und entsprechend häufig an Spieltischen anzutreffen sind.

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