Tuesday, 13 November 2012

James E. Raggi im Interview (Deutsch)

Vor einiger Zeit führte Bangrim, ein Rollenspieler aus Braunschweig und Fan von Lamentations of the Flame Princess, ein Interview mit James Edward Raggi durch, dem Autor und Herausgeber besagten Rollenspiels. Dieses wurde im Original, also auf Englisch, auf Greifenklaue's Blog veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung dieses Interviews sollte folgen und ich wurde damals gebeten, sie anzufertigen - was ich auch tat. Bislang jedoch wurde Greifenklaue durch andere Aufgaben davon abgehalten, sie auf seinem Blog online zu stellen, daher werde ich die Eindeutschung nun mit seinem Segen auf meinem Blog veröffentlichen. Wer das Original lesen möchte, der klicke HIER. James Edward Raggi (im Folgenden "JER" abgekürzt) ist ebenfalls ein "Original" und eine interessante Persönlichkeit. Viel Spaß also!

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James Edward Raggi IV

Bangrim: Möchtest Du Dich und LotFP unseren Lesern vorstellen?

JER: Ich bin niemand, daher gibt es keinen Grund, Zeit dafür zu verschwenden.
LotFP ist ein Hammer-Rollenspiel, für das es jede Menge cooles Zeug gibt. Regeln, Settings, Abenteuer. Magst Du traditionelle Spiele? Du magst Fantasy? Horror? Dir gefällt ungehemmte Kreativität, die nicht von empfindlichen Kindern als Zielgruppe ausgeht? Dann solltest du Dir die Sachen für LotFP mal ansehen.


Bangrim: Wie bist Du mit Rollenspiel überhaupt in Kontakt gekommen?

JER: Meine Mutter hat mich damals, '83 oder '84, zu D&D gebracht. Sie brauchte es als Rechtfertigung dafür, kleine Metalminiaturen zu bemalen. Dann brauchte ich nur noch herauszufinden, welche meiner Freunde Bücher und Würfel und Charakterbögen und Verliese und all jene Dinge, die eine kodifizierte Fantasiewelt mit sich brachten, interessierten. In der High School bin ich dann erstmals mit Spielern außerhalb meiner eigenen Gruppe in Kontakt getreten. Dann, Anfang 2000, entdeckte ich das Internet und RPG.net und Dragonsfoot und seitdem staune ich nur noch, wie komplett verdreht und bekloppt alle anderen sind. 2008 habe ich mein erstes Rollenspielbuch veröffentlicht und mit meinem Blog angefangen, um die Welt etwas mehr nach meinem Geschmack zu verändern.

Bangrim: Wie bist Du auf die Idee gekommen, von den USA nach Finnland zu ziehen und dort einen Rollenspielverlag zu gründen?

JER: Eine Frau hat mich nach Finnland gezogen. Und wegen Frauen bin ich dort geblieben. Finnische Frauen sehen besser aus und sind lockerer als amerikanische. Sie sind alten, fetten und bankrotten Ausländern gegenüber aufgeschlossen, selbst ohne gemeinsame Sprachgrundlage. Mein Rat an alle ist: lebt dort, wo die Einheimischen mit Euch ins Bett gehen und verzieht euch von Orten, wo sie das nicht tun.
Einen Rollenspielverlag zu gründen, war meine einzige Chance, falls ich keine U-Bahn-Toiletten sauber machen wollte. Einer der Gründe, warum LotFP Erfolg hat – es muss einfach. Es gibt keinen Plan B.

Bangrim: Welche Rollenspiele spielst Du neben LotFP?

JER: Ich habe kaum die Gelegenheit, viel zu spielen. Ich bin im Finnischen nicht sattelfest, daher wäre es unhöflich, hier an einer Runde teilzunehmen und zu verlangen, das sie dort meine Sprache sprechen. Das letzte Rollenspiel außer LotFP, das ich gespielt habe, war MAID. Würde gern mal das neue Marvel-Ding spielen oder Call oder Trail of Cthulhu.
Ich mag aber Brett- und Kartenspiele (wenn auch nicht Sammelkarten).

Bangrim: Kannst Du denn wirklich von „old school“, oder sagen wir besser „weird fantasy“ Rollenspielen leben?

JER: Ich bin überzeugt davon, dass man es KANN, muss aber zugeben, dass es mir nur gelingt, weil ich eine sehr verständnisvolle Frau habe. Das Geschäft wirft aber Gewinn ab, wobei es hauptsächlich unter den langsamen Veröffentlichungsterminen leidet. Aus diesem Grund versuche ich, einige Abenteuer vorzufinanzieren, damit Top-Leute daran arbeiten können und ich zügig einen regelrechten Katalog vorantreiben kann.

Bangrim: Wie findest Du die ganze „old school“ Szene?

JER: Einerseits findet man dort einen ganzen Haufen kreativer Leute und es ist wirklich spannend, Teil einer Gruppe von Leuten zu sein, die altes Zeug nehmen, damit was neues und aufregendes machen und so eine Kontinuität zwischen Vergangenem und Zukünftigem herstellen.
Andererseits gibt es eben auch einen Teil der Old-school-Szene, denen mehr an der Verehrung der tatsächlichen Vergangenheit gelegen ist und die sich wünschten, es wäre 1980 – als ob old school sowas wie eine Religion wäre. Das sind Langweiler.

Hammers of the God (LotFP)
Bangrim: Welchen Eindruck hast du von diesem ganzen „Crowdfunding“ Zeug?

JER: Ich bin total eifersüchtig auf Order of the Stick und die Leute von Ogre. Während der letzten Monate habe ich ein paarmal gedacht, dass sich das alles überfüllt und zuviele Leute neue Projekte starten – aber eigentlich habe ich nur über Wettbewerber gejammert. Aber so war es schon immer; RPGNow stellt jeden Tag eine Tonne an Neuveröffentlichungen ein. Vertriebskataloge haben jede verflixte Woche neues Zeug drin. Crowdfunding lädt keine neuen Mitbewerber ein, es ist lediglich ein neuer Weg, den die Mitbewerber nutzen.
Aber Gedanken über Wettbewerber währen nicht lange. Hunderte von Rollenspielverlagen existierten vor LotFP und Hunderte mehr werden auftauchen, wenn LotFP nicht mehr ist. LotFP ist nicht deshalb erfolgreich, weil es keine Alternativen gäbe. Es ist deshalb erfolgreich, weil seine Bücher einfach verdammt gut sind und aus diesem Berg an Rollenspielveröffentlichungen herausragen. Also, kommt doch mit euren 348.923.749.823.498 neuen Rollenspielen und Veröffentlichungen. Wenn sie besser sind als das, was LotFP herausbringt, hat die Spielewelt etwas großartiges dazugewonnen. Sind sie nicht so gut wie LotFP, dann sehe ich im Vergleich dazu eben besser aus.

Bangrim: Du hast zwei Abenteuer finanziert und im Moment versuchst Du, ein großes Projekt zu finanzieren. Auch große Verlage, wie White Wolf, finanzieren ihr Material über Crowdfunding. Wie denkst Du, wird das Rollenspiele und die „Rollenspiel-Industrie“ beeinflussen, speziell LotFP?

Death Frost Doom (LotFP)
JER: Ich denke, das es die Sache für Verlage einfacher macht, die bereits eine etablierte Kundschaft haben (die ALLE SACHEN vorfinanziert!), aber für unbekannte Entwickler macht es die Dinge schwieriger. Mundpropaganda ist für den Erfolg von kleinen Verlagen wichtig und man muss bereit sein, etwas zu opfern, um seine Vision umzusetzen. Ich befürchte, dass Leute, die bereit waren, das finanzielle Risiko einzugehen, um ein gutes Produkt zu finanzieren, nun versuchen, ihre Idee per Crowdfunding umzusetzen und dann entmutigt werden, wenn nicht genug zusammen kommt (oder ihre Vision auf das zusammengekommene Vorfinanzierungsbudget beschränken). Dann verpassen wir Dinge, die uns eigentlich gefallen könnten.
Nach eigener Erfahrung wurden nur 5% aller Verkäufe für Death Frost Doom in den ersten 30 Tagen nach Veröffentlichung erzielt; von den bislang erzielten Erlösen für Vornheim fielen nur 13% in diesen Zeitraum. Gutes verkauft sich über die Zeit, daher ist es für die Zukunft deines großen Projekts wichtig, viel Zeug innerhalb einer kurzen Zeitspanne durch Vorverkäufe an den Mann zu bringen. Ich würde sagen: riskiere es nicht. Mach' es einfach.
Ich habe jetzt eine Crowdfunding-Kampagne hinter mir, eine andere läuft und eine weitere ist in Planung. Aber ich glaube nicht, dass ich ein weiteres Projekt durch Crowdfunding umsetze, dass ich sowieso machen möchte – es sei denn, ich möchte wahnsinnig extravagante Produktionsverbesserungen finanzieren. Allerdings würde ich bei der Finanzierung von Projekten, die ich normalerweise nicht machen würde (z.B. die Veröffentlichung einer Hardcover-Version des Regelwerkes, das ich bereits als Box verkaufe) oder anders nicht bezahlen könnte (große Namen engagieren, damit sie Abenteuer für mein Spiel schreiben), auf Crowdfunding zurückgreifen und dies auch weiterhin tun.

Bangrim: Du hast Material von Zak S. veröffentlicht, Dein Hardcover-Projekt weist eine Menge bekannter Namen auf. Aber wen gibt es noch, mit dem Du gern zusammen arbeiten würdest?

JER: Mein Hardcover-Crowdfunding-Projekt weist zwar eine Menge bekannter Schreiber auf, aber mit denen arbeite ich nur dann zusammen, falls – FALLS – sich ihre Abenteuer auch darüber finanzieren. Ich möchte nämlich auch tatsächlich mit ihnen zusammenarbeiten und nicht nur hoffentlich-eventuell mit ihnen zusammenarbeiten.

The Grinding Gear (LotFP)
Bangrim: In den letzten Jahren ist sehr viel Zeug für Rollenspielanfänger veröffentlicht worden. Jeder wollte eine Box oder ein Spiel schaffen, mit dem Leute zum Rollenspiel geholt werden. Ich bin der Meinung, dass LotFP eines der besten Systeme für Leute da draußen ist, die mit Rollenspiel anfangen möchten. War dies Absicht?

JER: Nö. Totaler Zufall.

Bangrim: Glaubst Du, dass Rollenspielbücher oder -boxen, die speziell für „Anfänger“ gemacht sind, neue Spieler anziehen? Ist das eine gute Idee oder denkst Du, das ein gutes Rollenspiel ausreicht, um neue Spieler zu erreichen?

JER: Ich glaube nicht, dass „Zeugs für Anfänger“ neue Spieler anzieht, aber es macht es dem interessierten Neuling leichter, einzusteigen.

Bangrim: LotFP ist ein gutes System, aber Du hast keine Spielwelt dafür geschrieben. Alles liegt in der Hand des Spielleiters. Warum?

JER: Ich möchte, dass das Spiel größer und variantenreicher wird als ich selbst es verwende.

Bangrim: Du hast die „SPIEL“ und die „RPC“ in Deutschland besucht. Was waren Deine Eindrücke?

JER: Ich bin als Betrieb viel zu klein, um aus solchen Conventions vernünftige Vorteile zu ziehen. Ich bringe nur ein paar Print-Veröffentlichungen heraus, für die ein einzelner Tisch ausreichen würde, aber diese Conventions bieten als Standardpräsentationsfläche einen Stand von 10 Quadratmetern an. Viel zu viel! Conventions sind ein wichtiges Werbewerkzeug, um zu aktiven Spielern vorzudringen, denen meine Sachen noch nicht bekannt sind. Wenn ich da nicht einen solchen Stand ausfüllen und anständig herrichten kann, würde ich gegenüber größeren, etablierten Verlagen aussehen wie eine Provinzliga. Und das könnte durchaus den Tod bedeuten, wenn ich versuche, professionelle Produkte zu professionellen Preisen anzubieten, die sich im Vergleich mit Produkten größerer Verlage vorteilhaft darstellen sollen.
Ich produziere hier ja keine Toaster vom Fließband. Rollenspielbücher machen nichts und sollen auch nichts machen. Ihr einziger Zweck liegt darin, DICH zu inspirieren, etwas zu machen. Präsentation und Wahrnehmung sind sehr wichtig, wenn man Leute überzeugen möchte, genau dafür Geld auszugeben.

Bangrim: Du lebst in Finnland, hast Deutschland und den Rest Europas besucht und wurdest in den USA geboren. Wenn Du diese Länder vergleichst: was sind die größten Unterschiede im Hinblick auf Rollenspiele?

JER: Was Rollenspiele angeht? Es gibt keine. Wo auch immer ich auf dieser Welt bin – mir ist aufgefallen, das zwei Sorten von Leuten immer gleich sind: Rollenspieler und Metaller. Es gibt natürlich leichte Unterschiede (das traditionelle Einsteigerspiel in Deutschland war Das Schwarze Auge, Schweden hatte Drakar och Demoner, etc.), aber ihr Aussehen, die von ihnen gespielten Spiele, die Streitereien, die sie austragen (ich wurde vergangenen Monat auf dem GothCon in Schweden sogar über „Rollenspiel vs. Würfelspiel“ belehrt!) - die sind überall gleich.

Bangrim: Welche Tipps hast Du für aufstrebende Jungautoren, die ein Rollenspiel schreiben wollen?

JER: Es interessiert keine Sau. Echt. Das Hobby und die Rollenspiel-Industrie sind mit Tausenden kreativer und talentierter Leute nur so überflutet, und sie alle suchen verzweifelt nach Aufmerksamkeit und einer Möglichkeit, Geld zu verdienen. Damit dich die Leute beachten, musst Du zwei Dinge tun:

1. Ignoriere das Zielpublikum. Was das will, ist ohne Belang. Gib' der Welt etwas, dass DEINE Leidenschaften, DEINE Energie und alles das repräsentiert, was DU gern möchtest. Rollenspiel-System oder Setting - das ist alles für sich genommen irrelevant. Die Leute reagieren nur auf etwas, an das Du glaubst und wofür Du Enthusiasmus aufbringst. Also mache verdammt nochmal was, woran Du glauben kannst und was deinen Enthusiasmus weckt.

2. Keine Abkürzungen. Das bedeutet nicht, das Du gleich die Bank sprengen musst (es würde Neulingen das Herz brechen), aber vergewissere Dich, das alles, was Du tun kannst, auch getan wird. Stelle dein Freizeitvergnügen erstmal hintan und mache ein qualitativ gutes Cover. Lass' jemanden das Ding Korrektur lesen und hol' Dir jemanden, der sich mit Layout auskennt. Sei Dir sicher, dass du auch in 5 oder 10 oder 20 Jahren, wenn Deine Karriere als Rollenspielautor vorbei ist, das Ding noch voller Stolz aus dem Bücherregal holen kannst.

Bangrim: Du hast kürzlich deine eigene Webshow „Because Fuck You, That's Why“ begonnen. Was war der Grund für dich, um zu sagen: „ich mache eine Webshow“?

JER: Ich habe mir andere Video-Blogs angesehen und dachte „das ist langweilig, das könnte ich viel besser machen“. Also habe ich begonnen. Nun bin ich ein weiterer Blogger in einem großen Haufen langweiliger Video-Blogger auf YouTube, aber es ist ganz witzig, das hin und wieder zu machen. Außerdem hat mir der eine Marketing-Typ, den ich kenne, gesagt, das es immer gut ist, sich in mehreren verschiedenen, sozialen Medien bemerkbar zu machen. Es würde dabei helfen, LotFP präsenter und damit wichtiger erscheinen zu lassen – oder sowas in der Art.
Ich mache das noch so lange weiter, wie ich Spaß daran habe, und stelle auch nur dann ein Video hoch, wenn ich glaube, dass ich etwas zu sagen habe. Daher paßt das schon.

Bangrim: An welchen LotFP-Produkten arbeitest Du im Moment?

JER: Ich beende gerade die Arbeit an The Monolith from beyond Space and Time (das wildeste und schrägste Abenteuer überhaupt), The God that Crawls (eine Verlies-Verfolgungsjagd!) und Green Devil Face #5 (verschiedenes Zeug).
Danach kümmere ich mich dann um das, was durch die momentane Crowdfunding-Kampagne bezuschusst wird und treibe ein paar Abenteuer voran, die von anderen geschrieben werden. Anschließend überlege ich mir dann mein nächstes großes Projekt.

Bangrim: Vor einem Jahr hast Du angekündigt, das LotFP Exquisite Corpses veröffentlichen wird. Seitdem gab's keine Neuigkeiten mehr. Wird es noch erscheinen?

JER: Das liegt ganz an Stefan Poag. Ich habe ihm ein paar Änderungsvorschläge zur Präsentation des Buches gemacht (da ich keinen direkten Nachdruck der Ausgabe wollte, die er schon gemacht hat), denen er zugestimmt hat, doch die Umsetzung erfordert schon einiges an Arbeit. Er hat ein Leben und darf seine Prioritäten selbst setzen. Und es wird bestimmt kein besseres Buch, wenn er unter Druck steht. Da ich auch selbst noch an anderen Dingen zu arbeiten habe, mache ich mir darüber jetzt keine Gedanken.

Bangrim: Bevor Du Deinen Verlag gegründet hast, schriebst Du ein Metal-Fanzine. Wie sehr hat Dich Metal beim Schreiben von LotFP beeinflusst?
Cover von Carcosa

JER: Es hat mich sehr beeinflusst. In der Metalszene gibt es ja die Möglichkeit, einfach alles zu machen (von Hippie-Funk bis Nazi Noise) und das teilweise Schöne an Metal ist ja auch, dass es die Musik von „Außenseitern“ ist (außer in Finnland, wo sich Bands als Dinosaurier verkleiden und Metal für kleine Kinder machen – guckt mal bei „Hevisaurus“ nach). Selbst wenn man also außerhalb des Metal-Mainstreams steht, ist man Teil einer der loyalsten und fanatischsten Fangruppierungen, die es gibt.
Die andere Seite der Medaille ist, das die Metaller eben fanatisch, wählerisch und mäkelig sind und es egal ist, wie sehr du dich anstrengst oder wie gut du bist – es wird immer Unmengen an Leuten geben, die dich bereitwillig niedermachen und alle anderen wissen lassen, wie kacke sie dich finden. Denn wenn deine Nische-einer-Nischen-Band halbwegs Fahrt aufnimmt, werden 100 weitere entstehen, die so sind wie du, weil Fans zu Bands werden. Metal ist eine Volksbewegung. Das wirtschaftliche Gesamtbild ist klein, daher gibt es echte Konkurrenz bei Auftritten auf Touren oder Festivals – und jeder Hype für eine Band, die Du nicht magst, bedeutet Einschränkungen für deine Lieblingsbands. Jeder ist sich der wirtschaftlichen Situation von Kleinmusikern bewußt und kennt die Schwierigkeiten, Touren zu finanzieren und sich all die kleinen Nettigkeiten zu leisten, die Auftritte und Studioaufnahmen ermöglichen.
Und niemand, der was auf sich hält, wird je zugeben, das du existierst, nur weil es „Metal“ ist.
Kommt Rollenspielern da irgendwas bekannt vor?
Schöpferisch ist es sehr befreiend, bereits im Vorfeld zu wissen, dass die meisten Leuten deine Produkte hassen werden, daher kann man sie gleich so machen, dass es dich persönlich so gut wie möglich zufriedenstellt. Und genau das solltest du ohnehin tun, denn die Leute werden es sowieso wittern, wenn Du ein Poser bist, der sich dem Massengeschmack anbiedert. Der andere wichtige Grund, weshalb die Fanbasis fanatisch, wählerisch und überkritisch ist, liegt darin, das sie wieder und wieder und wieder von unterirdischen Produkten ihrer ehemaligen Lieblinge gebrannt wurden, die ihrem Zielpublikum gegenüber zu oft respektlos waren.

Bangrim: Du sagtest, das Metal dich beeinflusst hat. Aber gibt es auch ein Rollenspiel, das spürbaren Einfluss auf Dich hatte (bezüglich einer guten oder ungewöhnlichen Genre-Mischung, einem tollen Setting oder bloß einer Wahnsinnsidee)?

Isle of the Unknown
JER: D&D (Mentzer und die AD&D-Versionen) und Warhammer Fantasy Roleplay (erste Edition) übten mit Abstand den größten Einfluss auf das aus, was ich heute mache. Ich habe einen Haufen Spiele gespielt, aber je origineller das Spiel oder je detaillierter das Setting, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass ich etwas davon in meinen Arbeiten benutze. Ich nehme die allgemeineren Ideen anderer auf und setze dann mein Zeug oben drauf.

Bangrim: Im LotFP-Spielleiterbuch erklärst Du, was ein gutes Abenteuer enthalten sollte. Welches Abenteuer, das nicht von Dir veröffentlicht oder geschrieben wurde, findest Du gut?

JER: „Death on the Reik“ (Tod auf dem Reik).

Bangrim: Danke für das Interview. Gibt es noch etwas, das Du unseren Lesern mitteilen möchtest?

JER: Momentan bewerbe ich das „LotFP Hardcover and Adventures“, eine Crowdfunding-Kampagne. Geringstenfalls bekommt ihr ein Weltklasse-Hardcover (mit Überarbeitung und neuem Layout), aber falls ihr einen spendablen Tag habt, könnten noch ein paar gruselige Abenteuer von einigen der bekanntesten Namen in der heutigen Spielszene dabei sein. Ansonsten schaut euch mal Vornheim und Carcosa sowie Isle of the Unknown und alle Abenteuer an. Die sind echt gut.

(Anmerkung: da dieses Interview schon vor einem halben Jahr geführt wurde, ist das Hardcover-Crowdfunding bereits abgelaufen. Das Hauptziel wurde erreicht, ein Abenteuer von Kenneth Hite als Zusatzziel ebenfalls).

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